Ein paar Tipps und Tricks für unangenehme Situationen


Jeder Sozialer Phobiker kennt diese Situationen aus denen er einfach nur fliehen möchte und die Hände schon beim bloßen Gedanken daran, anfangen zu zittern. Das kann ein einfacher Zahnarztbesuch sein, aber auch ein geschäftliches Meeting oder eine Schulung. Was nun tun wenn man vor oder sogar in so einer Situation steckt ? Hier ein paar Tipps und Tricks.

"Sei du selber"
Sollten einmal alle Strategien versagen dann "sei du selber". Der schwerste aber auch die beste Strategie. Denn wen sollte es stören, das du bei einem Geschäftsessen unruhig bist ? Fügst du deinem Gegenüber irgendwelchen Schaden zu oder wünschst du Ihm böses ? Nein es geht um dich ! Wenn du nicht anders kannst und zitterst beim Essen dann ist das dein gutes Recht ! Vergiss nicht.....du leidest unter Sozialer Phobie. Du bist krank und das darf man doch wohl sein oder ?
 
"Rede mit deinem Arzt"
Gehe zu deinem Arzt und rede mit ihm über deine Situation. Er ist für dich da und wird dir helfen ! Möchtest du keine Therapie machen so besteht auch die Möglichkeit dir Notfalltropen etc.. aufschreiben zu lassen. Oftmals ein sicherer Halt in brenzligen Situationen. Schon alleine das Gefühl was tun zu können hilft ungemein.

"Du bist nicht hässlich"
Du fühlst dich hässlich und unattraktive ? Alle deine Mitmenschen nehmen dich so wie du bist und akzeptieren dich, wie sie dich kennen. Nur du akzeptierst dich nicht wie du bist ! Bewerte dich nicht immer im negativen Sinn und lege nicht so viel Wert auf die Wirkung deines Aussehens. Akzeptiere dich so wie du bist und stehe zu dir selber. Der einzige der an dir Zweifelt bist du wahrscheinlich selber. Deine Selbstzweifel hemmen dich und nicht die Bewertungen deiner Mitmenschen.

"Erkläre warum du dich so verhälst"
Erkläre warum du so handelst. Ein Elternabend in der Schule steht vor der Tür und dir ist es sehr unangenehm im Kreis mit all den anderen Eltern zu sitzen. Rede doch einfach mal mit dem Lehrer. Erkläre ihm das du ein Problem mit Sozialen Situationen hast, das du liebend gerne kommen würdest, es aber leider nicht geht. Erkläre das es kein Desinteresse ist. Jeder mitdenkende und mitfühlende Mensch würde dich verstehen.Manchmal ist dieses ein gute Lösung um sich aus einem inneren Konflikt zu befreien.

"Den Kopf nicht hängen lassen"
Lasse niemals den Kopf hängen ! Es gibt für alles und jede Situation eine Lösung. Man sollte sich immer sagen das es weit aus schlimmeres gibt. Wenn du mal in eine Situation kommst und sehr aufgeregt bist dann lasse es einfach zu. Es wird dir nichts passieren auch wenn die anderen komisch gucken sollten.

"Keine Angst vor einem Streit"
Habe keine Angst wenn du in einem hitzigen Wortgefecht anfängst zu zittern. Vertrete ruhig deinen Standpunkt und arbeite mit fairen Argumenten. Versuch dich zu entspannen und lehne dich zurück. Sage dir immer "Ich reagiere halt eine bisschen körperlich, aber das ändert nichts daran, das ich meine Meinung vertreten darf. In solchen Momenten kannst du die Kaffeetasse auch mal fünf Minuten stehen lassen. Hast du einmal die falschen Argumente oder sollte dein Streitpartner dich überzeugen das er doch Recht hat, so kannst du das auch großherzig zugeben. Soziale Phobiker nehmen Streitgespräche oft viel, viel wichtiger als die "Normalos". Für die ist es normal und nix besonderes sich zu streiten.

Am Beispiel von mir selbst - Mein Verhalten erklärt


Ich habe das schon ein paar mal gemacht. Im Kindergarten zum Beispiel, fanden öfters sommerliche Grillabende statt. Alle Erzieher wussten das ich an einer sozialen Phobie leide und nicht gerne an solchen Aktivitäten teilnehme. Keiner der Erzieher hat sich folglich gewundert, das ich nicht erschienen konnte. Sie haben sogar eine Ausnahme gemacht und meine Tochter erlaubt alleine zu kommen. Dies war jedoch nicht nötig, da meine ex-Frau sich bereit erklärte, den Part des Begleiters zu übernehmen. Am Ende lief alles perfekt und niemand musste ein schlechtes Gewissen haben.

Ich habe meinen Vorgesetzen vor ein paar Jahren darüber aufgeklärt das ich an sozialer Phobie leide. Er hat mich immer dazu ermutigt eine neue Position im Unternehmen anzunehmen und war stets verwundert, das ich dieses ablehnte. Es verschlug ihm erst mal die Sprache, als ich ihn über meine Probleme aufklärte und meine Bedenken und Sorgen über den neuen Job mitteilte. Er hat sich über diese Krankheit informiert und mich trotzdem gebeten diesen Job anzunehmen. Ich erklärte mich einverstanden, machte ihn aber gleichzeitig darauf aufmerksam, das ich auf keinen Fall an Geschäftsessen etc. teilnehmen werde. Sind heutzutage mal wieder Besuchergruppen im Hause, werde ich dank meines Geständnisses nicht mehr dazu genötigt, sie zu führen. Es kann also auch von Vorteil sein mal Klartext zu reden.

Natürlich ist das alles einfacher gesagt als getan, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich versuche mich persönlich immer an solche Dinge zu erinnern, wenn ich gerade in eine unangenehmen Situation bin und nicht mehr weiter weiß.