Beispiel einer Sozialen Phobie


So wie viele Menschen die an Flugangst leiden das Fliegen vermeiden, vermeiden Sozialer Phobiker wie ich, oft den sozialen Umgang mit ihren Mitmenschen. Die Angst, das ich bei sozialen Anlässen wie Geburtstagen oder Geschäftsessen im Mittelpunkt steht und darauf mit körperlichen Symptomen wie Zittern, Angst und Panik reagiere, lässt mich solche Situationen vermeiden. Doch nicht immer kann ich diese vermeintlich angstauslösenden Situationen umgehen und so werden gewisse Anlässe wie geschäftliche Meetings oder Arztgänge oft zu einer Qual.

Anzeichen meiner Sozialen Phobie


Die Zeichen meiner Sozialen Phobie sind sehr vielfältig. Bei mir ist es eine übermäßige Unsicherheit und Schüchternheit gegenüber meinen Mitmenschen. Sie sind jedoch nicht Situationsgebunden, treten immer auf und beeinflussen maßgeblich mein Handeln und Verhalten. Situationsabhängig zeigen sich auch Symptome wie Zittern, starkem Unruhegefühl und Panikanfälle. Dazu kommen Herzrasen, feuchte Hände und der starke Wunsch die angstauslösende Situation fluchtartig zu verlassen. Diese Symptome treten jedoch immer in Kombination mit meinen Mitmenschen und irgendeinem sozialen Anlass auf.

Symptome meiner Sozialen Phobie


Die Leute, die wissen das ich an Sozialer Phobie leide, erzählten mir immer das man mir die Unruhe und das Zittern nicht ansehen würde. Das stimmt aber wohl nur zum Teil, wenn man die anfänglichen Werte meiner EKG und Blutdruckmessungen nehmen würde. Diese zeigen ganz klar Werte der Unruhe, auch wenn nur anfänglich. Ich möchte meine Symptome in drei Klassen einteilen. Die Unruhe bis hin zur Panik, das Zittern bis hin zu gefühlten Bewegungsunfähigkeit und das Schwitzen bis hin zum starkem Herzklopfen.Die für mich wohl am erträglichsten Symptome sind wohl Herzklopfen und feuchte Hände. Diese Symptome treten meist bei Elternsprechtagen oder aber normalen Hausarztbesuchen auf. Die zweite Gruppe, nämlich das Zittern nimmt mich schon wesentlich mehr mit und lässt mich viele Situationen schon von vornherein vermeiden. Dieses Symptome können eintreten wenn ich zum Beispiel mit anderen am Tisch sitze und ein Glas oder mein Besteck heben muss, mich mit dem weiblichen Geschlecht unterhalte oder aber in der Schlange vom Supermarkt stehe. Starke Unruhe bis hin zu Panik kann unter anderem bei geschäftlichen Meetings und Einzelgesprächen nach einem alkoholreichen Wochenende auftreten. Auch bei einem Streit mit Kollegen oder aber bei einer Pass und Zollkontrolle an Flughäfen oder der Polizei. Eine Gruppe von Symptomen kann sich jeweils in die nächst höhere reinsteigern und sich mit anderen Symptomen vermischen Verwundert stelle ich immer wieder fest, das alles auftreten kann aber nicht muss. Je mehr Gedanken ich mir über eine Situation mache und befürchte das sie eintreten könnte, umso wahrscheinlicher tritt sie auch ein.

So brach meine Soziale Phobie aus


Die erste Erfahrung mit der fühlbaren Angst war wohl im Jahr 1994. Ich kam in eine Situation, in der ich massiv Angst vor einer bevorstehenden Situation und deren folgen bekam. Dieses Gefühl was ich so gut wie gar nicht kannte, konnte ich jedoch nicht alleine im Kopf verarbeiten.Ich wurde plötzlich von einem nie da gewesenen Gefühl gepackt, was mich bewegungsunfähig machte und mich am ganzem Körper zittern ließ. Seit diesem Tag baute sich der gefühlte Angst immer weiter in mein Leben ein. Situationen die ich vorher liebte wurden allmählich zum Alptraum. Das so oft geforderte "Stay cool" ging immer weiter zurück und wurde durch Angst oder Panik ersetzt.

Die Angst vor der Angst


Was ich immer wieder feststellen muss ist, das die Situationen vor denen ich Angst habe meistens nicht so schlimm sind. Viel schlimmer ist die "Angst vor der Angst" die mich Situationen vermeiden lässt.
Ich vermeide z.B. geschäftliche Essen, da ich immer befürchte das ich anfange zu Zittern und die anderen am Tisch dieses merken. Das ist nicht so ungewöhnlich wie es sich anhört, denn viele Menschen die Angst vor dem Zahnarzt haben, vermeiden es auch dort hinzugehen. Das Wort Angst bedeutet immer das gleiche, nur die Situationen vor denen man Angst hat sind so vielfältig wie der Sand am Meer. Viele Situationen lassen sich jedoch nicht vermeiden und so heißt es dann, "Augen zu und durch". In solchen Situationen merke ich dann oft, das ich zwar aufgeregt bin und sehr feuchte Hände habe, meine Angst aber unbegründet war. Ich kann mich gut mit Menschen unterhalten und man merkt mir eigentlich gar nicht an, das ich so anders bin. Auch fühle ich den positiven Lerneffekt, nachdem ich eine kritische Situation einmal mutig durchgestanden habe. Dieser verliert sich nur wieder schnell in Sumpf der negativen Gefühle.

Soziale Phobie im Beruf


Der Mensch der heutzutage einen Job sucht, hat es schwer. Der Mensch der einen Job sucht und an Angst leidet, umso mehr. Wer einen guten Job sucht der auch gut bezahlt wird, muss sich durch das Vorstellungsgespräch und die Probezeit beißen und oftmals Konkurrenten aus dem Rennen werfen. Für Leute die an Sozialer Phobie leiden kein unmögliches Ziel, aber verdammt schwer zu erreichen. Schlecht bezahlte Jobs oder Arbeitslosengeld II sind oftmals die einzigste Lebensgrundlage. Dieses ist jedoch kein Problem der Sozialen Phobie sondern wird durch sie nur noch sehr erschwert.
Als Sozialer Phobiker in seinem Beruf auf zu steigen, halte ich aber für umso schwerer . Hat man bei einem kleinen Familienunternehmen noch gewisse Chancen, so werden diese immer kleiner bei wachsender Größe des Unternehmens. Ich zum Beispiel arbeite in einem Unternehmen mit 250 Mitarbeitern am Standort. Dort hat der niedrigste Vorgesetzte jedoch schon sehr viele Aufgaben, die Soziale Kompetenz benötigen. Diese wären zum Beispiel Geschäftsessen, interne und externe Meetings, sowie eigene Schulungen. Als Angstpatient sehe ich da keine Möglichkeit dieses durchzustehen, ohne mir oder meiner Firma zu schaden. Ich habe persönlich schon mehrfach solche Angebote dankend abgelehnt. Leider immer zu meinem Schaden und zum erstaunen meiner Vorgesetzen.